„So etwas klappt nur im Europa-Park“

Wiedereröffnung des skandinavischen Themenbereichs am 24. Mai

Die Entscheidung fiel bereits am nächsten Tag: Der skandinavische Themenbereich und die „Piraten in Batavia“ werden wieder aufgebaut. Am 26. Mai 2018 – einem Samstag – hatte ein Großbrand die Attraktion und den 1992 vom Filmarchitekten und Bühnenbildner Ulrich Damrau entworfenen Themenbereich total zerstört. Armin Hänßel, Leiter Mack Solutions Constructions, erinnert sich an den Tag: „Ich war beim Joggen in der Nähe meines Wohnortes, als sich plötzlich das Handy regte. Bei Whats-app waren schon Fotos von Rauchsäulen zu sehen.“

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Norwegischer Brunnen geborgen

Der Europa-Park schritt umgehend zur Tat. „schon am Sonntag danach suchten wir in unseren Archiven nach den Originalentwürfen von Ulrich Damrau und haben Kontakt mit den damals beteiligten Planungsbüros aufgenommen“, sagt Hänßel. „Wir haben versucht, alles zu erhalten, was nur irgend ging.“ So wurde aus den Trümmern der alte norwegische åse Kleveland-Brunnen (benannt nach der ehemaligen norwegischen Kultusministerin und Musikerin) geborgen und restauriert. Inzwischen laufen zwar noch die abschließenden Baumaßnahmen, aber die Fassaden von skandinavien sind schon gut erkennbar und erstrahlen wieder in neuem, buntem Glanz. Der wieder erstandene Themenbereich wurde ende Mai wiedereröffnet.

Eins zu eins lehnt sich „Skandinavien 2.0“ aber nicht an das Original an. „Das ist schon aufgrund der heutigen Bauvorschriften nicht möglich“, erklärt Hänßel. Die neuen Gebäude aus Stahlbeton in dem nordischen Areal sind insgesamt um etwa 20 Prozent größer geworden, denn sie haben zum Beispiel eine Lüftungstechnik erhalten, die die vorherigen Einrichtungen noch nicht aufweisen mussten. So ist Skandinavien in seiner Aura von einem kleinen Dörfchen zu einem kleinen Städtchen geworden, ohne aber die ländliche Ausstrahlung zu verlieren. Zudem ist das Gastro- und Shopping- Konzept erneuert. Auch die Terrasse ist anders. „Zwar sind auch einige Fassaden verändert“, erläutert Hänßel. „Aber der Charakter der Altfassaden ist wieder da.“

 Fjord-Rafting Im Zuge des Wiederaufbaus von Skandinavien ist auch die Fjord-Rafting-Attraktion neugestaltet worden: Der Tunnel ist jetzt das Zuhause eines Trolls.

Alt und Neu vereint

So nah wie möglich ans Original – so lautet auch die Lösung für die Designer, die am Wiederaufbau beteiligt sind. „Unsere Gäste liebten den Bereich, er war einer der schönsten und gemütlichsten“, weiß Chris Lange, creative Director von Mack Solutions. „Das wollen wir natürlich wieder erschaffen.“ Wie zuvor betreten die Gäste Skandinavien durch einen Torbogen. Und die beliebte Haifigur mit ihrem weit aufgerissenen Maul hat auch wieder eine Hängeposition bezogen – aber an einem anderen Ort als früher. Durch die heutigen Möglichkeiten etwa der digitalen Entwicklungstechnik dürfen sich die Gäste sogar auf viel mehr skandinavische Details freuen.

„Man wird reinkommen, sich gut an das Alte erinnern, aber auch deutlich das Neue wahrnehmen“, erklärt Lange.

„Die Andersen-Stube und den Andersen-Turm gibt es ebenfalls wieder, aber in anderer Funktion.“ Denn der Turm birgt auch einen Eingang in ein unteres Geschoss. Und dort, wo im alten Skandinavien im Keller ein Lager war, erwartet die Besucher in naher Zukunft noch eine Überraschung.

Außerordentliches geleistet

Mit dem skandinavischen Themenbereich ist der erste Bauabschnitt des Wiederaufbaus umgesetzt. Etwas gedulden müssen sich noch die vielen Fans des Klassikers „Piraten in Batavia“. Das Fahrgeschäft und daran angrenzende Gebäude im Themenbereich Holland sollen bis zur Wintersaison 2020 wieder stehen. Hinter der Wiederauferstehung steckt insbesondere eine bemerkenswerte Bauleistung – mit außerordentlichen Anstrengungen und engen Partnerschaften. Rund 50 Firmen werden insgesamt daran beteiligt gewesen sein. „Alle Unternehmen, die wir brauchten, haben innerhalb weniger Tage zugesagt, obwohl sie am Anfang gar nicht genau wussten, was auf sie zukam und das bei den vollen Auftragsbüchern in der heutigen Bauwirtschaft“, erklärt Hänßel. „Viele haben Überstunden selbst an Weihnachten und über Neujahr gemacht – jeder hat alles möglich gemacht, was nur ging, so etwas klappt wohl nur mit dem Europa-Park als Auftraggeber.“
 Für die „Piraten in Batavia“ ist ein Tunnel gebohrt worden.

Ein Tunnel für dei Piraten - Spezialauftrag für Tunnelbauer Herrenknecht im Europa-Park

Spezialauftrag für den international aktiven Tunnelbohrunternehmer Martin Herrenknecht aus der Ortenau: Die „Piraten in Batavia“ brauchen einen Tunnel. Herrenknecht ist weltweit bei großen Tunnelprojekten dabei, ob beim Gotthard, in Istanbul, Moskau oder Rio de Janeiro. Doch wurde jemals für Piraten gebaut?

„Alles halb so aufregend“, versichert Europa-Park-Inhaber Roland Mack. Beim Wiederaufbau der Attraktion „Piraten in Batavia“ war eine baulich schwierige Situation entstanden: eine wichtige Transferleitung zur Ent- und Versorgung der „Piratenfahrt“ musste gelegt werden. Doch um am angrenzenden Werkstattgebäude vorbeizukommen, musste ein unterirdischer Weg her.

Präzise und reibungslos

Kein Problem für die Tunnelbohrer von Herrenknecht, die ihre Konzern-Zentrale nur wenige Kilometer vom Europa-Park entfernt haben. Der neue Tunnel ist 32 Meter lang. Mit einer Microtunnelling-Maschine von Herrenknecht wurde die Bohrung innerhalb von drei Tagen erfolgreich fertiggestellt. Vom Auftrag bis zur Fertigstellung vergingen gerade einmal sechs Wochen. Alles verlief präzise und reibungslos. Am Ende gab es sogar eine offizielle Urkunde mit Erinnerungsfoto für den erfolgreichen „Durchstich“, wie bei allen weltweiten Großprojekten von Herrenknecht üblich. Die Technik und die Experten aus Schwanau sind nicht nur für XXL-Tunnel im Einsatz, sondern auch bei kleinen oder mittelgroßen Ver- und Entsorgungstunneln aller Art. Für Roland Mack doppelter Grund zur Freude:

„Es ist optimal, dass wir solch einen Tunnelspezialisten wie die den Weltmarktführer Herrenknecht als Freund und Partner haben. Herrenknecht ist häufiger Kunde mit Firmenveranstaltungen bei uns im Europa-Park. Jetzt konnten wir die expertise von Herrenknecht live erleben.“

Erst kürzlich haben die Familienunternehmen Mack, Herrenknecht und Burda eine enge Kooperation für eine gemeinsame Digitalstrategie am Oberrhein beschlossen – „Baden Digital“.

Von Christoph Ertz und Horst Koppelstätter